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angle-left Ein paar elsässische Weihnachtsgeschichten
Ein paar elsässische Weihnachtsgeschichten

Ein paar elsässische Weihnachtsgeschichten

Veröffentlicht am 24 Oktober 2019

Wussten Sie, dass Weihnachten einige seiner schönsten Geschichten dem Elsass verdankt? Wenn nun der Herbst beginnt, nehmen Sie sich Zeit für eine Auszeit unter der warmen Decke und lesen Sie die wunderbaren Weihnachtsgeschichten.

Das Elsass ist eine der Regionen Frankreichs, die am stärksten von Weihnachten geprägt ist. Denn im Elsass, genauer gesagt in Straßburg, fand 1570 der erste Weihnachtsmarkt statt. Seither belebt die weihnachtliche Atmosphäre diese schöne Region, insbesondere durch nette Geschichten, die sich im Kreise der Familie entdecken oder neu entdecken lassen.

Wir stellen Ihnen hier drei von ihnen vor, um die Wartezeit auf Weihnachten zu verkürzen.

Kardinal Rohan und der Chrischtkindelsmarik

Eines Abends vor Weihnachten fuhr ein Kardinal mit seiner Kutsche am Place du Château vor, wo der Chrischtkindelsmarik in vollem Gange war. Eine alte Händlerin hatte entlang des Durchgangs alle ihre Schätze aufgereiht, darunter ihr schönes Porzellangeschirr. Als der Kardinal dies sah, hatte er eine verrückte Idee: Er befahl seinem Kutscher, über die ausgestellten Gegenstände der Frau zu fahren, die sie den neugierigen Besuchern darbot und die nun in tausend Stücke zersprangen. Sie war am Boden zerstört, hatte jedoch keine Zeit zum Klagen, als sie den Kardinal höchstpersönlich auf sich zukommen sah. Er stieg aus seiner Kutsche und übergab ihr einen Beutel voll Geld, dessen Betrag weit höher war, als der Wert der Gegenstände, die er soeben kaputt gemacht hatte. Er wollte auf diese Weise die durch seine fürstliche Laune verursachten Schäden wieder gutmachen.

Die Wichtel aus Kerbholz

Im Munstertal erhebt sich der Kerbholz, ein hoher Berg, dessen Tal von saftigen Almen bedeckt ist. Dort wird in zahlreichen Käsereien der köstliche Munster-Käse gemacht. Kurz vor Weihnachten verlassen die Wichtel ihre unterirdischen Behausungen, um ihren besten Käse in den roten Kupferkesseln herzustellen. Am heiß ersehnten Heiligabend steigen die Wichtel in die Dörfer des Tales hinab und verschenken den in ihrem geheimnisumwitterten Betrieb hergestellten Käse an besonders rechtschaffene und mittellose Menschen.

Die Schlüpfermatt

Ganz in der Nähe von Altenberg liegt ein Wiesengebiet namens Schlüpfermatten. Im Dreißigjährigen Krieg mussten die Dorfbewohner aus ihren Häusern fliehen und sich in Hütten, Wäldern oder den Bergen verstecken. Zwei Frauen, die zufälligerweise gleichzeitig schwanger waren, fanden in einer Höhle Zuflucht. Während sie in dieser Höhle wohnten, brachten sie gleichzeitig ihre Babys zur Welt: in der Heiligen Nacht. Die eine gebar ein Mädchen, die anderen einen Jungen. Das Weihnachtswunder geschah, denn obwohl es an diesem Tag schrecklich kalt war, wurden beide Kinder kräftig und robust. Sie wuchsen heran, verliebten sich und beschlossen zu heiraten.

 

Textauszüge aus: Noël en Alsace: rites, coutumes et croyances. Editions Degorce, 2018.

Illustration: P. Kauffmann

Museum Straßburg: M. Bertola